Sechzig Amateure - shalalalalalalalalala... PDF Drucken E-Mail

25. Juli 2001: Die Profi-Löwen treffen im Halbfinale des UI-Cups vor 15.000 Zuschauern im Olympiastadion auf Newcastle United und verlieren 2:3. Einige Kilometer entfernt spielen auch Löwen - nämlich da, wo sie hingehören: im Grünwalder Stadion. Die Stars hier: die Löwen-Amateure im Bayernligakracher gegen Neumarkt. Zuschauer hier: knapp 200. Diese tummeln sich im „Rentnerblock“ F1 und auf der Haupttribüne, die Gegengrade ist verwaist, ebenso wie die Ostkurve und die restliche Westkurve.

Zu den entscheidenden Aufstiegsspielen im Sommer 2004 feierten wir auf der damaligen Amateure Homepage www.stadionwirtschaft.de vierstellige Zuschauerzahlen wie ein Weltwunder – gegen die Club-Amateure kamen damals 1200 Zuschauer, danach war eigentlich in Sachen Aufstieg alles gelaufen, und es kamen gegen Hof und Ansbach jeweils 300 Zuschauer, ehe im alles entscheidenden Kick gegen die Haching-Amateure 2500 Zuschauer ins Sechzger-Stadion strömten. Für die damalige Zeit wirklich eine Sensation. in der folgenden Regionalligasaison stiegen dann die Zuschauerzahlen geringfügig an. Ein Jahr später gründeten einige „Unverbesserliche“ dann den Stimmungsblock Stehhallez und wurden mit ihrer Fünf Mann-Besetzung aus dem Rentnerblock belächelt, für den Durchhaltewillen aber auch heimlich bewundert. Die Fünf Mann-Gruppe wuchs stetig an und schließlich schlug die Bombe ein: Jompi hatte die X-Tausend-Idee und der Hype war geboren.

Seitdem bestaunen regelmäßig mindestens 1000 Zuschauer (aber auch gerne mal 6.000, 7.000 oder über 10.000) die Spielkünste der Löwen-Amateure, und es wurden zu jeder Saison mehr Jahreskarten verkauft als manch andere 2. Mannschaft überhaupt Zuschauer hat. Auf Giesings Höhen können auch zukünftige Stars und Profi-Löwentrainer bewundert werden, seien es Peter Pacult (Schnittchen-)Rainer Maurer, Marco Kurz oder nun Uwe Wolf. Alle starteten sie als Trainer der Amateure und waren bei den Fans zumeist schwer beliebt – was auch auf Gegenseitigkeit beruhte. Uwe Wolf lobte bei jeder Pressekonferenz die im 60er-Stadion anwesenden oder bei Auswärtsfahrten mitgereisten Fans, ihre gute Laune und ihre unvergleichliche Art Stimmung auch in die tristeste Hütte zu bringen. Zahlreiche Spieler spielten und kämpften sich in die Herzen der Fans – aber alle aufzuzählen würde hier komplett der Rahmen sprengen.

Neben besonderen Highlights (z.B. der Klassenerhalt mit dem 8:3-Sieg in Kassel 2007, die Aktionen X-tausend 2007 und XX-tausend 2008) gab es auch einige Wehmutstropfen in den letzten Jahren, wie beispielsweise die knapp verpasste Qualifikation zur 3. Liga in der Saison 2007/08, was aber die Liebe der Fans zu ihrer Mannschaft nicht im Geringsten belastete. Im Gegenteil begleiteten zwei Fanbusse die „kleinen“ Löwen zum Abschlussspiel in Pfullendorf und feierten zusammen den Saisonabschluss.

Belastend war hingegen etwas anderes für die Nachwuchsabteilung der Löwen: Seit der Saison 2008/09 dürfen zweite Mannschaften nicht mehr im DFB-Pokal mitspielen. Dadurch wurde ihnen die Chance genommen, sich auch einmal auf richtig großer Bühne zu präsentieren und etwas für die Einnahmen zu tun. Denn auch in letzterer Hinsicht schlugen die Herren von DFB/DFL zu und strichen die Fernsehgelder für die zweiten Mannschaften komplett. Während dies für einige Vereine kein Problem sein mag, bedeutet dies aber für kleinere und finanziell angeschlagene Clubs wie den TSV von 1860 noch mehr zu sparen. Während sich die Herren aus der Nebenstraße schon mal die ehemalige Regionalligatormaschine aus Elversberg leisten können, kommen unsere Jungs aus der eigenen Jugend oder aus z. B. Milbertshofen. Und diese Jungs hängen sich rein und rennen und kämpfen bis zum Umfallen! und regelmäßig entschwindet wieder einer zu den Profis um dort „den Kampf ums Überleben“ aufzunehmen (wie zuletzt Michael Schick). Der Kampfgeist der jungen Kerle begeistert wiederum die Fans, die sich der Nähe und Zuneigung der Mannschaft auch sicher sein können.

Nicht zuletzt – und das weiß eigentlich jeder und ist natürlich der eigentliche Grund für den Wahnsinns-Hype um die Amateure – spielen die Amateure im Grünwalder Stadion, auf Giesings Höhen, im 60er-Stadion, in unserer Heimat, wo es noch Bier aus Gläsern und Wurstsemmeln für echtes Geld gibt und nicht gegen Plastik. Hier pocht das Löwenherz, nur hier kann es wirklich leben! Hier wurde die Legende 60 geboren, hier feierten sie ihre größten Triumphe und erfuhren ihre größten Niederlagen! Hier wurde der Satz erfunden, der bis heute Gültigkeit hat: „Einmal Löwe – immer Löwe“!

 


 
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