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Erzähl uns, wie Du Fanbeauftragter geworden bist! Ich kam dazu, wie die Jungfrau zum Kind. Es war im Juli 2006 auf dem Löwenforum-Sommerfest im Fanheim. Der damalige 1. Vorstand von Weiß-Blau Sechzgerstadion, Arnold Geißler, hat mich angesprochen und gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Fanbeauftragter zu werden. Bis dahin wusste ich nicht einmal, dass die Stelle überhaupt ausgeschrieben war und zeigte mich entsprechend überrascht. Ich habe mich dann beworben und stand schließlich zusammen mit Alex Rieger (damals im Vorstand von FDS und PRO1860) in der Endausscheidung. Nach einem 45-minütigen Gespräch mit Herrn Reuter und Herrn Ziffzer haben die beiden dann beschlossen, uns alle beide einzustellen. Bis November 2007 haben wir uns dann den Job geteilt. Warum braucht man einen Fanbeauftragten? Für was seid Ihr zuständig? Der Deutsche Bundestag hat 1993 das „Nationale Konzept Sport und Sicherheit“ beschlossen, welches vorsieht, dass alle Vereine der ersten und zweiten Liga einen Fanbeauftragten haben sollen. Später wurde dies dann auch Voraussetzung für den Erhalt der Lizenz. Unter dem Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser wurde Jutta Schnell 1996 als Fanbeauftragte eingesetzt. Als im Jahr 2006 Stefan Ziffzer zu 1860 kam, wurde eine weitere Stelle ausgeschrieben, da die nicht in Fanclubs organisierten Fans auch einen Ansprechpartner haben sollten. Unsere Aufgaben sind die Kommunikation mit den Fans, die Information über erlaubte und nicht erlaubte Gegenstände bei Auswärtsspielen, die Teilnahme an Fanratsitzungen, Fanclubversammlungen und anderen Fantreffen, die Teilnahme an Fanbeauftragtenversammlungen zum Austausch mit den Kollegen der anderen Vereine sowie Gespräche mit der Polizei und anderen Sicherheitsstellen. Wie sieht Deine tägliche Arbeit aus? Morgens sichte ich zunächst die aktuelle Presse, um über die Berichterstattung über den Verein informiert zu sein. Viele Fans beziehen sich nämlich in ihren Anfragen auf Presseberichte. Tagsüber beantworte ich die vielfältigen Anfragen von Fans. Hier geht es häufig um die Verfügbarkeit von Eintrittskarten, die Organisation von Auswärtsfahrten oder Einladungen zu Fanfeiern. Es gibt aber auch Nachfragen zur finanziellen und sportlichen Situation bei 1860. Und selbstverständlich gibt es auch gelegentlich Beschwerden. Weiterhin kommuniziere ich mit den Fanbeauftragten der gegnerischen Vereine über erlaubte und nicht erlaubte Gegenstände und telefoniere mit den Fanprojektlern der Stadt, z.B. zur Aufarbeitung von Geschehnissen aus der eigenen Szene. Die Kommunikation mit den vereinsinternen Abteilungen Ticketing und Presse, mit unserem Sicherheitsbeauftragten sowie meinem Vorgesetzten Herrn Ingerling gehören auch zum Tagesgeschäft. Schließlich gehört natürlich auch die Fanbetreuung vor Ort, bei Heim- und Auswärtsspielen der Profis und der U23, zu meinem Job. Was sind die Hauptprobleme in Deinem Job? Man sitzt zwischen den Stühlen, es ist eine tägliche Gratwanderung. Oder wie der ehemalige 1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser sagte: „Jedem Recht getan, ist eine Kunst, die keiner kann.“ Es gibt konkurrierende Ziele: Die Fans wollen sich nicht gängeln lassen, der Ordnungsdienst will, dass nichts passiert. Von beiden Seiten kommen dann Vorwürfe, ich würde zu sehr auf der jeweils anderen Seite stehen. Es ist schwierig, die Loyalität zum Verein auf der einen und den Fans auf der anderen Seite zu wahren. Ein Beispiel: Kürzlich habe ich in einem Interview mit einer Zeitung eine Meinung von Fans zu unserem Präsidenten wiedergegeben. Die Veröffentlichung wurde verhindert, da das Interview mir geschadet hätte. Was macht Dir besonders viel Spaß an Deinem Job? Zunächst ist die freie Zeiteinteilung ein positiver Faktor. Abgesehen vom Terminplan der Spiele kann ich mir meine Arbeit vollkommen frei einteilen. Der Kontakt mit den Fans ist wahnsinnig geil – das sind Leute wie ich! Das Sujet meiner Arbeit ist natürlich auch nicht langweilig, weil sich bei 1860 jeden Tag etwas Neues tut. Man muss flexibel sein und sich auf die sich ändernden Situationen einstellen. Und dann: „Auswärtsfahren macht schön!“ Auswärtsfahren ist mein Hobby, ich gehe zu jedem Spiel der Löwen gerne. Als Fazit kann man festhalten, dass ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe. Du bist ja selbst ein langjähriger Löwenfan, hast zahlreiche Spiele der Löwen gesehen, selbst sogar ein Fanzine herausgebracht etc. Inwieweit hilft Dir Deine Vergangenheit bei Deiner Arbeit? Es wäre ja blöd, wenn Fans mir Fragen stellen und ich hätte keine Ahnung von den Themen. Man sollte schon eine Ahnung haben. Du wirst ja gar nicht ernst genommen, wenn Du keine Ahnung hast. Ein Beispiel: Unsere Presseabteilung hat vor kurzem die Anfrage eines norwegischen Journalisten zur Akzeptanz von Erik Mykland bei den Löwenfans erhalten. Diese Anfrage wurde schließlich an mich weitergeleitet, da die Kollegen ja nicht die Meinung der Fans über Mykland in Erinnerung haben müssen. Ich habe dann ein paar alte Artikel herausgesucht und konnte anhand der Artikel und meiner persönlichen Erinnerungen die Kollegen unterstützen. Auch Fans sind glücklich, wenn ich ihnen alte Zeitungsartikel zur Verfügung stelle und sie dadurch in Erinnerungen schwelgen können. Schließlich ist es auch gut, Fans persönlich zu kennen. Hier kann ich gewissermaßen als Vermittler zwischen den Generationen fungieren. Vor kurzem wurde von den Löwenfans ein Fanrat gegründet. Was hältst Du von dieser Institution? Der Fanrat ist eine sehr gute Sache. Egoistisch betrachtet nimmt er Last von meinen Schultern. Vorher war ich für die schwierige Problemkundschaft allein zuständig und musste im Konfliktfall meinen Kopf hinhalten. Dadurch, dass im Fanrat Leute sitzen, die wie ich in der Kurve stehen und sich auch die eine oder andere unangenehme Frage gefallen lassen müssen, bin ich entlastet. Man muss aber auch auf der anderen Seite sehen, warum der Fanrat gegründet wurde und wofür er da ist: Er ist die Interessenvertretung der Fans gegenüber der Geschäftsführung des TSV. Da gibt es auch konkrete Forderungen, die der Fanrat an die Geschäftsführung stellt. Dies ist keine einseitige Geschichte. Denkst Du, der Fanrat wird mittel-/langfristig eine Rolle spielen? Den Fanrat gibt es ab jetzt für immer und er wird nie wieder abgeschafft werden. Es wird immer wieder über zunehmende Gewalt in den Stadien, vor allem im Amateurbereich, gesprochen. Wie stellt sich diese Problematik aus Deiner Sicht dar? Ich war ja in den 80er und 90er Jahren jung. Die Gewalt, die es in den 80ern, als Sechzig in den Dörfern gespielt hat, oder in den 90ern, als Sechzig wieder in der Bundesliga spielen durfte und in den Großstädten auf größere Fangruppen anderer Vereine getroffen ist, gab, habe ich in den letzten Jahren bei 1860 nicht mehr gesehen. Die öffentliche Rede von zunehmender Gewalt bezieht sich vor allem auf Gewalt bei Vereinen aus den neuen Bundesländern. Teilweise ist es auch so, dass sich die Gewalt von den ersten beiden Ligen in die unteren Ligen verlagert hat, da die Überwachung dort nicht so lückenlos ist. Die Problematik 'Gewalt' besteht auch bei 1860. Sonst gäbe es meinen Job nicht. Wenn sie aber wirklich gravierend wäre, hätte ich wesentlich mehr Stress. Lass mich aber hier noch eine Geschichte zu unseren Fans erzählen: Als ich zum Pokalspiel in Hamburg ein Hotel für die in den Zügen mitgereisten Fans gebucht habe, hat die Hotelbesitzerin deutlich Befürchtungen wegen Lärm und Randale seitens der Gäste aus München geäußert. Bei unserer Abreise war ihr dies dann sichtlich peinlich und unangenehm, da wir uns so vorbildlich benommen hatten. Du erlebst ja auch häufiger stressige Situationen, beispielsweise wenn es Ärger zwischen rivalisierenden Fans gibt, oder bei Unstimmigkeiten zwischen Fans und Sicherheitsdienst oder Polizei. Wie kommst Du mit solchen Situationen zurecht? Vor einiger Zeit habe ich an einer Fanbeauftragtentagung zum Thema „Konfliktmanagement im Stadion“ teilgenommen. Dort hat ein erfahrener Kollege uns jüngeren gesagt: „Ihr werdet immer wieder emotional reagieren, wenn es Probleme mit Polizei, Sicherheitsdienst oder Fans gibt. Lasst Euch nicht einreden, dass emotional zu sein immer schlecht sein muss! Hauptsache ist, ihr seid für Fans immer authentisch, also ihr selbst!“ Und das hat mir auch für mein eigenes Leben etwas gebracht. Wie haben sich die Fans bzw. die Fanszene bei 1860 in den letzten Jahren und Jahrzehnten entwickelt? Viele einst aktive Fans sind älter geworden, die Fanszene hat sich insgesamt verjüngt. Durch die lange Bayernligazeit war eine ganze Generation weggebrochen, die wir aber jetzt fast wieder haben. Was ich toll finde, ist, dass die 15- bis 20-jährigen, die die Zeiten im Sechzger-Stadion nicht erlebt haben, heute glühende Verfechter für die Rückkehr ins Sechzger-Stadion sind. Böse Zungen würden sagen, die kennen das ja gar nicht, die wissen ja gar nicht, wie das war. Ich sag aber, die machen sich Gedanken über den Verein, über die Identität des Vereins. Das finde ich toll! Nochmals zu Person Axel Dubelowski: Welches Spiel wirst Du nie vergessen? Aufstiegsrunde 12. Juni 1991: Kassel gegen 1860 Wir fahren mit 5:3 Punkten nach Kassel, Kassel war Favorit, wir klarer Außenseiter. Die ersten drei Spiele hatten wir unentschieden gespielt, in Pforzheim haben wir 4:1 gewonnen. Wir sind mit der letzten Ersatzbank gekommen, viele unserer Spieler waren verletzt. Dann: 80 Minuten lang Spiel auf ein Tor – und zwar auf unseres. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir das Tor kassieren. Plötzlich schießt ein eingewechselter Reservist, Stefan Hamberger vom Chiemsee (bislang nur neun Einsätze in der Saison), das 1:0 für 1860! Und in der 90. macht der Gröber noch das 2:0! Es waren 5000 Löwenfans da, die überwiegende Mehrheit männlich, und jeder zweite hat geheult, weil klar war, das könnte nach neun Jahren Drittklassigkeit doch mal der Ausweg aus dem Dilemma sein. Und das war es dann auch, weil wir dann noch 2:1 gegen Neunkirchen gewonnen haben. Stefan Hamberger hat in diesem Spiel übrigens, wie auch alle anderen Spieler, 90 Minuten durchgespielt. Was würdest Du Dir von den Fans wünschen? „Geld, Gold, ein sorgenfreies Leben!“ Im Ernst: Eigentlich bin ich wunschlos glücklich. Es gab mal einen sehr schönen Moment: Ein Fan hatte bei einer Tombola eine Wembley-Stadionzeitung von 1965 gewonnen. Ich habe in einem Internetforum bekundet, dass ich neidisch bin. Beim nächsten Heimspiel der Amateure kam dann ein anderer Fan auf mich zu und drückte mir einen DIN A5-Briefumschlag in die Hand. Drin war ein Wembley-Programmheft. Wenn man so etwas erlebt hat, kann man keine Wünsche an Fans mehr äußern! Wie können Dich die Fans am Besten erreichen? Per Email unter
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, telefonisch unter 0179-4567128 und natürlich bei allen Spielen im Stadion! Vor und nach den Spielen in der Allianz Arena bin ich zudem immer im Fanraum (Eingang neben dem Hacker-Pschorr-Treff) anzutreffen. Das Löwenbomber-Archiv im Internet Axel Dubelowskis Löwen-Blog |